Wissenswertes

Gegen trübe Aussichten

Tipps für Kontaktlinsenträger

Kontaktlinsen sind aus dem Leben vieler Kurzsichtiger nicht mehr wegzudenken. Doch so praktisch das Leben mit den unsichtbaren Sehhilfen auch ist, die Linsen sind und bleiben Fremdkörper, die bei falscher Nutzung den Augen schaden. Richtige Pflege und vorbeugende Maßnahmen helfen jedoch, Infektionen, Augenreizungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu vermeiden. Hier erfahren Sie, auf was Sie achten sollten.

Hornhaut in Gefahr

Rund 3,5 Millionen Kontaktlinsenträger gibt es in Deutschland. Je nach Vorliebe nutzen sie formstabile harte Kontaktlinsen, weiche Kontaktlinsen oder die neuartigen Ortho-K-Linsen, die vor dem Schlafengehen eingesetzt werden und während Nacht die Hornhaut so formen, dass der Kurzsichtige tagsüber scharf sieht. Doch egal welche Linsen getragen werden, für alle gilt: Ohne konsequente Hygiene drohen Infektionen, die vor allem die Hornhaut des Auges, die Kornea, schwer schädigen können.

Hinweis: Einmal- oder Tageslinsen sind besonders pflegeleicht. Auf Hygiene beim Einsetzen und Herausnehmen und richtiges Handling im Falle von Erkrankungen muss aber auch bei ihnen geachtet werden.

Kontaktlinsen saugen alles auf

Kontaktlinsen-Oberflächen nehmen nicht nur Bestandteile des Tränenfilms auf, sondern auch Rückstände von Kosmetika, Staub, Pollen und Bakterien sowie Viren. Werden die Kontaktlinsen nicht konsequent gepflegt, drohen über die aufgenommenen Partikel und Substanzen mechanische Reizung, allergische Reaktionen und im schlimmsten Fall Infektionen. So verursachte Hornhautschäden und -entzündungen sind immer ernst zu nehmen, da in der Folge Vernarbungen, Trübungen und sogar Hornhautrisse entstehen können.

Hinweis: Das Risiko für bakterielle Hornhautinfektionen ist durch Kontaktlinsen erhöht. Jede dritte Infektion trifft einen Kontaktlinsenträger.

Tückische Pilze

Besonders bedrohlich sind Pilzinfektionen. Sie werden häufig erst spät entdeckt, weil sie sehr langsam voranschreiten und ihre unspezifischen Beschwerden wie Lichtscheu, rote Augen oder Fremdkörpergefühl oft lange hingenommen werden. Bleibt die Pilzinfektion unbehandelt, droht eine Sehverschlechterung. Zur Therapie verordnet der Augenarzt Antipilzmittel wie Voriconazol oder Fluconazol, und zwar als Augentropfen und als Tabletten. In besonders schweren Fällen ist sogar eine Hornhautransplantation erforderlich.

Hinweis: Kontaktlinsenträger sollten auch unspezifische Augenbeschwerden nicht auf die leichte Schulter nehmen! Suchen Sie lieber einmal zu früh als zu spät den Augenarzt auf.

Allgemeine Pflegetipps

Um Infektionen und Schäden an den Kontaktlinsen zu vermeiden, müssen diese fachgerecht gepflegt werden. Dabei gelten folgende Regeln:

  • Benutzen Sie nur solche Pflegemittel, die speziell für Ihre Kontaktlinsenart geeignet sind. Hygieneprodukte für harte Kontaktlinsen eigenen sich nicht für weiche Linsen und umgekehrt.
  • Mischen Sie die Pflegeprodukte nicht, da chemische Reaktionen zu Komplikationen führen können.
  • Berühren Sie die Kontaktlinsen nur mit gewaschenen und abgetrockneten Händen.
  • Spülen Sie die Linsen vor dem Einsetzen mit steriler, unkonservierter Kochsalzlösung ab.
  • Nehmen Sie zum Abtrocknen der Hände ein sauberes, fusselfreies Handtuch.
  • Auch die Hygiene der Aufbewahrungsbehälter ist wichtig: Reinigen Sie diese täglich und erneuern Sie täglich die Aufbewahrungsflüssigkeit. Desinfizieren Sie den Behälter regelmäßig, wobei es wichtig ist, diesen danach gründlich auszuspülen damit kein Desinfektionsmittel an die Linsen kommt. Am besten ist es jedoch, die Behälter häufig auszutauschen.
  • Tragen Sie Wimperntusche erst auf, nachdem Sie Ihre Kontaktlinsen eingesetzt haben. Beim Abschminken geht es anders herum: Erst Kontaktlinsen herausnehmen und versorgen, dann abschminken.
  • Verwenden sie als Kontaktlinsenträger nur cremige Lidschatten. Bei puderförmigem Lidschatten besteht die Gefahr, dass Partikel unter die Linse geraten und die Hornhaut schädigen.

Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach speziellen, für Kontaktlinsenträger geeigneten Kosmetika.

Hinweis: Wenn Ihre Pflegemittel unerwartet ausgegangen sind oder aus anderen Gründen keine zur Verfügung stehen, können Sie nachts und am Wochenende sogenannte Travel-Sets zur Kontaktlinsenpflege in der Apotheke kaufen.

Vorsicht Wasser!

Wasser birgt eine Menge Gefahrenpotenzial für Kontaktlinsen. Sowohl in Wasserhähnen und Duschköpfen als auch in warmen, stehenden Gewässern tummeln sich Amöbenarten, die schwere Hornhautentzündungen hervorrufen. Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte folgende Regeln beachten:

  • Keinesfalls Leitungswasser zum Abspülen der Kontaktlinsen verwenden.
  • Kontaktlinsen dürfen auch nicht in Leitungswasser aufbewahrt werden.
  • Nicht mit Kontaktlinsen duschen.
  • Nicht mit Kontaktlinsen in Naturgewässern schwimmen.

Tipp: Schwimmen in gechlortem Wasser öffentlicher Bäder ist auch mit Kontaktlinsen möglich. Entweder Sie setzen dabei eine spezielle, dicht abschließende Schwimmbrille auf, oder Sie nutzen Einmal-Linsen, die Sie nach dem Schwimmen entsorgen.

Hier muss die Brille ran

Um Infektionen zu vermeiden, sollten Sie bei einigen Erkrankungen besser vorübergehend auf Ihre Brille umsteigen. Dazu gehört vor allem der Lippenherpes. Aus den hochinfektiösen Bläschen gelangen auch bei größter Vorsicht leicht Viren auf die Kontaktlinsen und von dort ins Auge, wo Sie einen Augenherpes mit Rötungen, Jucken, Brennen und Schmerzen auslösen können. Das Gleiche gilt im Falle einer Bindehaut- oder Lidrandentzündung, auch hier ist die Übertragung von Erregern auf die Kontaktlinse und die spätere Neu-Infektion Ihres Auges damit möglich.

Bei Erkältungskrankheiten, Nasennebenhöhlenentzündung und Halsentzündung macht es ebenfalls Sinn, die Kontaktlinsen in ihren Behältern zu lassen und die Brille aufzusetzen. Bei diesen Erkrankungen sind häufig Streptokokken oder Staphylokokken am Werk, die dann über die Hände an die Kontaktlinse geraten und auf diese Weise eine bakterielle Hornhautentzündung auslösen können.

Hinweis: Seien Sie im Falle einer Infektionskrankheit besonders penibel bei der Pflege des Kontaktlinsen-Behälters. Desinfizieren Sie diesen lieber einmal mehr als weniger oder tauschen Sie ihn gleich aus. Sind erst einmal Keime hineingelangt, können sich die Erreger vermehren und über die Kontaktlinse ins Auge gelangen.

Womit Kontaktlinsen sich nicht vertragen

Wer Kontaktlinsen im Auge hat, kommt meist nicht auf die Idee, gleichzeitig Augensalben oder ölhaltige Augentropfen zu verwenden. Doch einige Kontaktlinsenträger nutzen durchaus wässrige Augentropfen, z. B. beim Fremdkörpergefühl oder beim trockenen Auge. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Bei Augentropfen mit dem Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid reichert sich dieses in der Kontaktlinse an und schadet dem Linsenmaterial. Wer auf wässrige Augentropfen nicht verzichten möchte, sollte deshalb die Linsen herausnehmen, die Tropfen verabreichen und dann mindestens 15 Minuten warten, bis er die Linsen wieder einsetzt.

Verfärbung durch Antibiotika

Manche Arzneimittel schädigen Kontaktlinsen sogar über den Blutweg. So werden zum Beispiel die Antibiotika Rifampicin und Tetracyclin und das entzündungshemmende Sulfasalazin nach oraler Einnahme in die Tränenflüssigkeit ausgeschieden und können dadurch im Auge sitzende Kontaktlinsen verfärben. Wer diese Präparate benötigt tut also gut daran, während der Einnahmedauer auf die Brille umzusteigen.

Trockene Augen durch Aknemittel

Auch Arzneimittel, die den Tränenfluss vermindern, werden für Kontaktlinsenträger oft problematisch. Durch verminderten Tränenfluss sammelt sich dickflüssiges Sekret im Auge, wodurch Reizungen, Sehstörungen und Hornhautschäden drohen. Folgende Medikamente können zu trockenen Augen führen:

  • Isotretinoin (zur Behandlung von Akne)
  • Clonidin oder Timolol (zur Behandlung des Glaukoms)
  • Lodoxamid (zur Behandlung der allergischen Bindehautentzündung)
  • Hydrochlorothiazid (zum Entwässern)
  • Pregabalin (zur Behandlung neuropathischer Schmerzen).

Besonders störend für Kontaktlinsenträger sind aber auch Krankheiten, die zu trockenen Augen führen. Dazu gehören rheumatische Erkrankungen, Diabetes und Schilddrüsenstörungen. In diesen Fällen ist es manchmal sinnvoll, zum Schutz der Augen auf Kontaktlinsen zu verzichten.

Im Zweifel zum Augenarzt!

Generell sollten Beschwerden an den Augen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Bei starker Trockenheit des Auges, Fremdkörpergefühl oder Schmerzen heißt es: Kontaktlinsen rausnehmen, Brille aufsetzen und zum Augenarzt gehen.

Quelle: Dr. Claudia Bruhn, DAZ 2019, Nr. 44, S. 44

18.01.2020 Autor: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte: goodluz/Shutterstock.com



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